Neue Woche im Ego-Journal: 12.-18. Januar 2024

Fazit dieser Woche

  • Fühlen lernen bedeutet: lernen, die Körperempfindungen wahrzunehmen
  • Es gibt einen grossen Unterschied zwischen „ehrlich sein“ und „aufrichtig sein“
  • Dinge zu erledigen, für die ich mich anstrengen muss, macht mich zufrieden. Leider hält die Zufriedenheit nur kurz an – und schon kommt die nächste Aufgabe…

Endlich wieder mal Sonne. Ab aufs Velo, der Küste entlang nach Albenga. Das ist eine Minitour, bei der mir dann auch meine Winter-Form bewusst wird, ächz…

Der Rest ist Genuss: an einem windgeschützten Plätzchen sitzen, Kaffee trinken und über das glitzernde Meer blicken. Die warme Sonne auf der Haut. Schon einige Tage nicht mehr erlebt, herzerwärmend.

Alassio, caffè am Strand im Januar

Samstag, 13. Januar 2024

Miss Move

„Gibts den Miss Move-Newsletter eigentlich nicht mehr?“, fragt mich eine Freundin.

Miss Move ist mein Blog über Fahrradreisen in Italien.

„Ähm, … doch!“

Bloss habe ich schon ewig keinen mehr verschickt.

Die Frage spornt mich an, und so arbeite ich heute den ganzen Tag durch, aktualisiere den Blog-Artikel über den Radweg hier an der ligurischen Ponente-Küste, von dem ich neue Fotos habe, bereite den Newsletter vor, damit er gleich morgen raus kann.

Man würde es nicht glauben, aber das ist ein voller Tag Arbeit.

Macht mich total zufrieden, als gegen Abend alles fertig ist.

Ich habe gleistet, der Verstand hat gerade nichts zu motzen.

Zeit für Apero.

Sonntag, 14. Januar 2024

Künstler-Aussteiger-Ort

Ausflug nach Bussana vecchia, einem Ort, der Ende 19. Jahrhundert von einem Erdbeben zerstört worden war. Die Ruinen wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dann von Aussteigern und Künstlern besetzt. Sie liessen sich im noch bewohnbaren Teil des Dorfes nieder, bauten wieder auf, was ihnen diente, und seither lebt da eine (Lebens-)Künstler-Gemeinschaft.

Eine leise Hoffnung begleitet mich, dass wir da per Zufall eine hübsche Wohnung angeboten bekommen. Das ist selbstverständlich lächerlich, aber ich will hier ja eben ausbreiten, was in meinem Kopf alles so an Absurditäten abgehen, darum soll auch das erwähnt sein.

Faszinierend, durch die Gassen von Bussana vecchia zu streunen und zu bestaunen, was hier entstanden ist. Schnell wird auch klar, dass wir hier überhaupt nicht hinpassen.

Ich bin eben doch nur so ein bequemes Durchschnittstier, das gerne in einer warmen, sauberen Wohnung haust.

Bussana vecchia
Bussana vecchia

Montag, 15. Januar 2024

Ehrlich oder aufrichtig?

Eine Freundin berichtet, dass sie sich nach einem Treffen mit zwei Menschen, ein schlechtes Gefühl hatte. Sie brauchte eine Weile, um zu merken, was an diesem Treffen schief gelaufen war: sie war nicht aufrichtig.

„Ich war schon ehrlich, aber nicht aufrichtig, weil ich etwas sagte, das ich gar nicht wirklich denken, einfach nur, um den anderen zu gefallen.“

Ja, das passiert mir manchmal auch. Ehrlich sein, geht ganz gut, aber manchmal sage ich eben nicht alles, was auch noch dazu gehören würde. Ich sags nicht, damit kein Ärger aufkommt, weil mein Gegenüber vielleicht anderer Meinung ist.

Ein Beispiel: Eine langjährige Freundin. Wir waren schon immer sehr unterschiedlich, aber das war 20 Jahre lang kein Problem, sondern gab auch immer wieder Anlass zur Erheiterung. In den letzten Jahren hat sich da aber etwas verändert, wir haben uns auseinander gelebt. Trotzdem treffen wir uns ab und zu und tun so, als wäre alles ok. Dabei fühle ich einen riesigen Elefanten im Raum. Aber auch ich spiele heile Welt mit, weil ich nicht weiss, was passieren würde, wenn ich mal gewisse Dinge aussprechen würde, die eben nicht so laufen, wie ich mir eine Freundschaft vorstelle. Und ich erzähle auch kaum mehr von Dingen, die mir wichtig sind, aber von denen ich weiss (glaube!), dass sie es nicht verstehen würde.

Ich bin zwar ehrlich, weil ich keine Lügen auftische, aber ich bin nicht aufrichtig.

Und das fühlt sich dann im Nachgang fade und falsch an.

Ja, ich habs in der Hand, das zu ändern.

Dienstag, 16. Januar 2024

Ein junger Pfupf erklärt mir die Welt

Da spricht ein blutjunger Kerl über Wirtschaft und Krypto. Kompetent, klar, verständlich. Ich staune.

In seinem Alter (22? 23?) war ich noch damit beschäftigt, mir die Eierschalen von der Haut zu kratzen und zu checken, dass ich doch irgendwann die Verantwortung für mein Leben übernehmen könnte, und dieser Junge steht schon sowas von reif mitten im Leben.

Es ist nicht sein Wissen, das mich beeindruckt, sondern die feinfühlige Art, wie er es vermittelt. Nie von oben herab, nie als der Checker, sondern schön auf Augenhöhe und in kleinen Schritten, so dass jeder mitkommt.

Chapeau, Monsieur!

Mittwoch, 17. Januar 2024

Nützlich sein

Cooler Tag heute. 3 Calls, 3+ Menschen, und ich konnte mich dabei nützlich machen.

Ich liebe es, wenn sich in einem Coaching ein Knopf löst. Das geschieht immer an einem überraschenden Punkt. Heute wars wieder soweit, gleich 2 Mal in Folge, weil, wenn sich ein Knopf löst, stösst man bekanntlich auf den nächsten. Und wenn der sich auch gleich löst, geht es einen ordentlichen Rutsch vorwärts mit den Erkenntnissen.

Ich freue mich mit der Kundin. Und mein kleines Ego schlummert auch ganz selbstzufrieden vor sich hin.

Donnerstag, 18. Januar 2024

Wie lerne ich wieder zu fühlen?

Der Satz stand heute in einem Newsletter von einem Herrn zwischen 40 und 50, der ein sehr erfolgreiches Creator-Business hat.

„Ich suche jemanden, der mir hilft, fühlen zu lernen.“

Krass, denke ich mir da. Ich kenne den Gedanken. Ich kenne die Frage. Vor 15 Jahren hat die mich auch umgetrieben.

Mag sein, dass ich mich irre, aber ich vermute, dass ihm noch niemand gesagt hat, dass dieses „Fühlen“ ganz einfach Körperempfindungen sind. Die sind schwierig in Worte zu fassen, weil sie keine Namen haben. Körperempfindungen wie der Kiefer, der sich verkrampft oder der Magen, der sich zu heben scheint, oder wenn es eng wird in der Brust.

Ich dachte auch immer, dass ich „Trauer“ fühlen müsste oder „Wut“.

Aber genau genommen sind das ja nur behelfsmässige Namen für Körperempfindungen, die von einem Ereignis, oder öfter noch: von einem Gedanken ausgelöst werden. Weil wir diese Körperempfindungen so schlecht benennen können.

„Trauer“ ist erst mal nur ein Gedanke. Ein Konzept von einem Gefühl. Das Gefühl selber ist im Körper wahrzunehmen, wo auch immer, wie intensiv auch immer, das ist für jede*n für uns unterschiedlich.

Hab ich von Stefan Hiene gelernt. Das hat mich komplett erlöst von dem Irrglauben, ich wäre nicht in der Lage, meine Gefühle zu fühlen.

Wir machens zu kompliziert.

Der oben erwähnte Creator-Herr muss niemanden finden, der ihn das Fühlen lehrt. Er braucht nur jemanden, der ihm sagt, dass er zurück in seinen Körper schlüpfen und wahrnehmen soll, was dort geschieht.


Danke für dein Interesse ❤️