Neue Woche im Ego-Journal: 19.-25. Januar 2024

Fazit dieser Woche

  • Der Widerspruch zwischen „Ohne Wunsch glücklich sein“ und „Ich möchte Ziele verfolgen“ köchelt in mir, ist aber noch nicht gar.
  • Selbstliebe check ich nur so: Selbstliebe ist, wenn ich merke, dass mein Verstand gegen mich (gegen wen denn eigentlich?) schiesst und ihn daraufhin ignoriere, so dass ich heiter, gelassen und entspannt bleibe.
  • Die relevanteste Veränderung kam, als ich nichts mehr verändern wollte.
  • Erwischt: endlich habe ich mal live mitbekommen, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Mittel mich mein Verstand von einem Vorhaben abzubringen versuchte. So banal, und ich falle seit Jahrzehnten darauf rein?! 🙄

Ziele und keine Wünsche

Freitag, 19. Januar 2024

Wunschlos glücklich sein = Ohne Wunsch glücklich sein.

Und gleichzeitig soll ich mir ja Ziele setzen, weil ich sonst nicht vom Fleck komme im Leben, und schon gar nicht im Business.

Ich bin sowas von fasziniert von diesem Widerspruch, der seit Monaten in mir hin und her pendelt.

Stefan Hiene bringt es in seinem Aufwachquickie 2246 so auf den Punkt:

»Ziele und Visionen sind für Menschen, die nicht bereit sind, diesen Moment so zu erleben, wie er tatsächlich ist.

Wirklich starke Menschen haben keine Ziele und Visionen, sondern sind bereit, diesen Moment ohne Ablenkung und ohne Verdrängung so zu erleben, wie er wirklich ist. Alle anderen frönen der Schwäche, sich mit Gedanken abzulenken.«

Ablenkung vom jetzigen Moment. Weil wir es selten schaffen (oder wollen), den jetzigen Moment in voller Präsenz zu erleben.

Meistens sind wir ja mit irgendwas im Widerstand:

  • Mit der Wohnsituation
  • Mit dem (fehlenden) Einkommen
  • Mit einem Gesprächsverlauf
  • Mit dem Partner
  • Mit dem Wetter
  • Mit der (scheinbar) fehlenden Zeit

Wenn ich ein Ziel habe, kann ich mich damit bestens vom aktuellen Moment, also vom aktuellen Widerstand ablenken.

Besser wäre: Ich lebe den jetzigen Moment voll und ganz. Ich fühle den Widerstand, fühle jede Körperempfindung und tue, was mich jetzt gerade inspiriert. Ohne Ziel. Sondern einfach, weil ich jetzt gerade Freude daran habe.

Der Verstand hat dazu zu sagen:

„Dann funktioniert halt dein Business nicht, weil du das organisieren und planen musst, sonst kannst du die regelmässigen Blog-Artikel und Newsletter und so weiter vergessen. Lieg doch auf der faulen Haut rum, aber dann erwarte auch nicht, dass du von deinem Business leben kannst.“

Klingt plausibel, ja?

Der Verstand klingt fast immer plausibel, darum ist er ja auch so schwierig zu ignorieren.

Fazit:

Ich bin mir des Widerspruchs zwischen meinem Zielstreben und der Wunschlos-Theorie bewusst, bin aber noch nicht bereit, mein Ziel aufzugeben, gut von meinem Blog-Business zu leben. Es funktioniert aber schon fast, weil ich das meiste richtig gern mache, mich also schon zu einem grossen Teil der Inspiration hingebe.

Ich beobachte mit Spannung, wie sich das weiter entwickelt.

Samstag, 20. Januar 2024

Besser keine Ziele haben. Oder doch?

Noch im Winter 2021/22 war ich überzeugt, dass wir alle ein Ziel brauchen. So ein grosses, grandioses Ziel, eine Vision, die alles überstrahlt. Das empfahl ich auch lautstark allen, die es hören (und nicht hören) wollten, auf diesem Blog, in meinem Newsletter, auf Social Media.

Bloss hat mich das nicht wirklich da hin geführt, wo ich hin wollte: in ein wohlhabendes, entspanntes Leben mit Business-Erfolg und einem hübschen Häuschen über dem Meer.

Stattdessen hat es mir ordentlich Stress verursacht, weil ich wusste, dass es irgendwie falsch war. Nicht das eigentliche Ziel, aber diese unablässige Wünscherei.

Mittlerweile glaube ich, dass es einen besseren Weg gibt, ein gutes Leben zu leben und die Umstände hinter mir zu lassen, die mir nicht behagen.

Der bessere Weg heisst: Jetzt. So wie es jetzt gerade ist = wunschlos glücklich

Ja, nicht sonderlich originell. Das sagt Eckhart Tolle schon seit Jahrzehnten und manch anderer wahrscheinlich schon vor ihm.

Es geht ja auch nicht darum, dass ich hier was Originelles erfinden muss, sondern ich bin daran herauszufinden, wie ich entspannt und gut leben kann. (Der Witz ist: das tue ich ja mehrheitlich schon, insofern könnte ich diese ganze Übung und Reflektiererei an dieser Stelle abbrechen, aber machen mir der Freude zuliebe noch ein bisschen weiter:)

Darum eben „wunschlos“ glücklich und keine neuen Ziele, nur um „gross zu denken“ und Manifestier-Königin zu werden.

Ich habe immer noch meine Wünsche und Ziele, so schnell werde ich die nicht los. Aber ich weiss, dass sie mir nicht dienen, um JETZT gut zu leben. Es ist zum Teil Widerstand und Ablenkung vor der aktuellen Situation, teilweise aber auch Lust am Weiterkommen.

Beispiel: Heute ist Sturmwetter. Kalt, windig, nix für Sport, aber ich hätte dringend Bewegung nötig. Sofort kommen die Wünsche daher:

  • Ich will an einem Ort mit schönerem Klima leben (wohlgemerkt, ich wohne schon am Meer mit angenehmerem Klima)
  • Ich will in einer besseren Wohnung sein, die warm ist im Winter
  • Ich will ein Abo fürs Fitnesscenter, damit ich auch im Winter Sport machen kann

Geht zackig, bis die nächsten Wünsche auf der Liste stehen.

Dabei würde es nur um eins gehen: Fühle, was jetzt gerade im Körper passiert, wenn der Widerstand da ist und zu kalt, zu bewegungslos, alles zu doof in meinem Kopf gespielt wird.

Ziele und Wünsche lenken super davon ab, was es jetzt gerade zu fühlen gäbe.

Und dann wundern wir uns, dass wir nicht mehr recht wissen, wie Fühlen geht.

Sonntag, 21. Januar 2024

Selbstliebe check ich nicht

„Selbstliebe ist das Wichtigste von allem“, lese ich da wieder einmal in einem Newsletter und spüre ein leichtes Grummeln in mir.

Selbstliebe. Mit diesem Wort konnte ich noch nie etwas anfangen.

Es klingt für mich künstlich. Ich muss mich jetzt selbst lieben. Wie soll das denn gehen?

Weil: meine Essenz wird ja nie irgendwas anderes tun, als zu lieben. Wobei – im Grunde weiss ich nicht mal das so genau. Aber ich weiss sicher, dass meine Essenz, meine Seele, die Energie, die dem ganzen wilden Treiben in mir zuschaut, sich niemals gegen mich stellt. Das ist zumindest meine Erfahrung bisher.

Wer also bleibt, der sich gegen mich stellt?

Natürlich, der Verstand!

Selbstliebe kann folglich nur heissen, dass mein Verstand mich selbst lieben muss. Und das halte ich für einen Witz. Der Verstand ist nicht für Gefühle zuständig. Der muss Probleme lösen und Rechnungen ausführen.

Zudem: Wen müsste der Verstand dann lieben? Sich selbst? Also das Ego, das sich selbst liebt? Da verrenken sich meine Gehirnwindungen. Oder müsste der Verstand meine Seele lieben – ist das der Segen der Selbstliebe?

Meine Meinung dazu: Das Einzige, was ich für meine Selbstliebe anstreben kann, ist zu merken, wann der Verstand wieder gegen mich ballert, und ihm daraufhin den Hahn abzudrehen.

Der Verstand kann nicht lieben – es ist einfach nicht seine Aufgabe.

Aber ich kann lernen, ihn zu ignorieren, wenn er mich mit Lieblosem zumüllt.

Vielleicht ist ja einfach das gemeint mit Selbstliebe?

Montag, 22. Januar 2024

Keine Veränderung

Schon wieder von Stefan Hiene geplättet. Im Aufwachquickie 2243 schreibt er:

Die meisten Coaches und Lehrer wollen den Schülern etwas mitgeben. Sie wollen für eine Veränderung sorgen. Dabei wäre es die größte Veränderung, die es bisher gab, das erste Mal nichts mehr verändern zu wollen.

Ehm ja, ich auch. Ich möchte meinen Kundinnen auch etwas mitgeben und bei einer Veränderung helfen, nämlich:

  • aus ihrem Job auszusteigen
  • ein selbstbestimmtes Leben zu führen
  • innere (finanzielle) Freiheit zu erlangen

Gleichzeitig wird mir gerade klar, dass sich bei mir auch am meisten verändert hat, als ich es aufgab, einem Ziel hinterher zu rennen. Das wiederum war aber nur passiert, weil mir plötzlich alles zuwider war, was mit Mindset-Arbeit und Manifestieren und Selbstliebe und solchem Zeug zu tun hatte.

All das Zielesetzen-Gefasel, bei dem ich ja kräftig mitgemischt hatte, ging nicht mehr.

Ich wusste, dass es für mich nicht stimmte. Ich hatte es schon lange gewusst, aber weil ich nicht bereit für die Alternative war, klammerte ich mich an die Hoffnung, dass es doch funktionieren würde.

Insofern war mein grosses Glück, dass ich auch in dieser Sache gescheitert bin. (Sagt sich im Nachhinein ja immer so leicht, dass es ein Glück war, aber es war eine Scheiss-Zeit)

Ich gab mein Coaching-Business auf, weil es genau auf Zielesetzen, Visualisieren & Manifestieren und Mindset-Arbeit beruhte. Die Basis brach weg, wie sollte ich denn ohne sie überhaupt weitermachen?

Und ich schämte mich, weil ich zuvor etwas vermittelt hatte, das ich selber gar nicht umgesetzt hatte – und von dem ich jetzt wusste, dass ich es auf diese Weise nie können würde.

Damit war alles weggebrochen, was ich mir in 15 Monaten aufgebaut hatte. Mitsamt der grossen Hoffnung, dass mich das zu meinem erfolgreichen Coaching-Business und damit auch in den Wohlstand führen würde.

Ich stand vor dem Nichts, hatte keine Ahnung, was ich stattdessen machen sollte, und machte darum (vielleicht das erste Mal in meinem Leben) nichts.

Und wie es Stefan Hiene im obigen Zitat sagt: Ich versuchte nicht einmal, etwas an der Situation zu verändern.

Worauf sich langsam, langsam, langsam, etwa nach 10 Monaten, etwas in mir zu verändern begann. Das sich immer noch weiter verändert. Sachte nehme ich es als echte innere Freiheit wahr.

Scheinbar zeigt sich die nur, wenn man sie nicht mühevoll anstrebt?

Dienstag, 23. Januar 2024

Ertappt

So, jetzt hab ich ihn! Heute vielleicht das erste Mal mitbekommen, wie mir der Verstand ins Business und andere fröhliche Vorhaben reinfunkt.

Also, es geht so: Ich feile an meiner neuen Art von Coaching-Business herum und schreibe wieder regelmässig, auch auf diesem Blog.

  1. Der Verstand schnappt sich irgendein Argument von aussen und traktiert mich so lange damit, bis ich seinen Einwand zu glauben beginne.
  2. Meine Motivation sinkt, plötzlich halte ich es für Quatsch, was ich da aufbaue, für dumm und nutzlos und peinlich.
  3. Dann lasse ich es sein.

Wie enttäuschend, so banal ist das? Nur wegen einem Gedanken von aussen gebe ich auf?

Im aktuellen Fall ist es das Thema „Job-Ausstieg“, an dem sich der Verstand festkrallt. Weil ich gestern bei Stefan Hiene gelesen habe, dass wir Coaches unseren Kundinnen immer zu einer Veränderung verhelfen wollen, dass aber vielleicht KEINE Veränderung mal das beste Hilfsmittel wäre. (Siehe Eintrag von gestern)

Da denke ich mir: Hm, stimmt, das mache ich auch, ich helfe meinen Kundinnen zu einer immensen Veränderung, nämlich ihren freudlosen Job zu verlassen.

Das sollte ich also ändern. Keine Veränderung mehr anbieten, … und darauf kaut der Verstand jetzt rum und belästigt mich damit, bis ich von dem Vorhaben ablasse, von dem ich gerade eben noch beseelt war.

Bloss: heute hab ichs bemerkt. Schauen wir mal, wie es jetzt weitergeht in diesem Gezänk.

Mittwoch, 24. Januar 2024

Velo-Beratung

Wie ich diese kleinen Italien-Veloreise-Beratungen liebe! Es ist wieder Ferienplanungszeit, und darum werde ich jetzt häufiger für Miss Move-Beratungen gebucht. Heute mit einem frischen, unkomplizierten Paar, mit dem ich problemlos auch den ganzen Abend hätte durchplaudern können.

Apulien per Fahrrad. Wie kommt man da mit Zug und Velo hin? Lohnt es sich, Ende April das Zelt mitzunehmen? Welcher wäre ein guter Start-Punkt? Solche Fragen haben wir besprochen.

Und jetzt hätte ich selber Lust, in Apulien Rad zu fahren 🙂

Donnerstag, 25. Januar 2024

Apero um 16.07 Uhr

Diese Woche habe ich so brav und zielstrebig und viel gearbeitet, dass es Zeit ist für etwas Unvernünftiges. Um 16.07 Uhr sitzen wir in der Bar, schlürfen an einem Aperol Spritz und mampfen Pommes Chips und irgendwelche undefinierbare Nüsse.

Der Verstand sollte jetzt reklamieren und mich ermahnen, dass man um diese Zeit keinen Aperitif nimmt, und dass es jetzt Zeit wäre, zurück an die Arbeit zu gehen. Aber er ist ruhig.

Wir sind entspannt, der Verstand und ich. Merkwürdig…

Schon fast wieder so merkwürdig, dass ich anfangen könnte, mir darüber Gedanken zu machen.

Haha.


Danke für dein Interesse ❤️