Neue Woche im Ego-Journal: 26. Januar – 1. Februar 2024

Fazit dieser Woche

  • Wenn mir das Leben Geduldsproben und Hürden auftischt, sind das phänomenale Gelegenheiten, meine Programme zu entlarven. Wo werde ich störrisch, ungeduldig, genervt, ängstlich? Wo spüre ich das im Körper? Mit diesem Fokus wird der Alltag nie, nie langweilig.
  • Mountainbiken (MTB) ist wie das Leben: Wenn du dich auf die Hindernisse konzentrierst, sind sie schwer zu überwinden. Schaust du hingegen weit voraus – da, wo du wirklich hin willst, geht alles leichter.
  • Das MTB bietet mir eine super Gelegenheit, mich dieser Angst zu stellen, alte Gewohnheiten und meine übliche Vermeidungsstrategie zu durchbrechen.

Wie heisst der Verstand?

Freitag, 26. Januar 2024

Ich schreibe hier so viel über meinen Verstand. Langsam scheint es mir angebracht, ihm einen Namen zu geben. Das ist ja, als ob man die Katze „Katze“ nennen und ihr keinen individuellen Namen geben würde.

Ich habe schon von anderen Verstandes-Beobachter*innen gelesen, die ihren Verstand benamst haben. Da war eine Frau Rottenmeier, ein Otto und eine Hermine. Laura Seiler nennt ihren Verstand „Bullshit FM“.

Interessanterweise brauche ich einen Männernamen. Mein Verstand ist männlich.

Rüdiger?

Egon?

Ernst?

Ich bin noch nicht klar.

Samstag, 27. Januar 2024

Ist der Verstand ein Nichtsnutz?

Kürzlich brach eine altbekannte Diskussion darüber los, ob der Verstand generell ein Nichtsnutz wäre.

Ich verstehe das so:

Der Verstand ist super, wenn er konkrete Aufgaben lösen soll: etwas ausrechnen, Termine in die Agenda eintragen, zählen, ob alle Teilnehmerinnen schon im Raum sind, Steuererklärung ausfüllen etc.

Aber: Der Verstand ist ein Nichtsnutz fürs Glücklichsein.

Einverstanden?

Sonntag, 28. Januar 2024

Mountainbiken ist wie das Leben…

Der Frühling hält Einzug, ab aufs Fahrrad. Die Mimosen beginnen schon zu blühen, es ist fast T-Shirt-warm. Das sind die Momente, in denen ich das Leben am Meer liebe.

Da ich seit 2015 einen Fahrrad-Blog betreibe, glauben so manche, ich wäre ein Super-Ass im Mountainbiken. Bin ich überhaupt nicht. Im Grunde bin ich eine banale Asphalt-Schönwetterfahrerin, die vor allem Freude an Pausen und wohlriechender Natur hat. Ja, und natürlich auch am Bewegen der Muskeln und ein bisschen ausser Puste zu kommen.

Mountainbiken war noch nie meins. Ich bin ein Angsthase und klammere mich schon bei einem kleinen Schotterhaufen nervös an meinen Lenker.

Mein Partner hingegen brettert (scheinbar?) unverkrampft durchs Gelände und lädt mich immer wieder mal ein, mit ihm zu fahren.

„Nein, ich kann nicht Mountainbiken und es macht mir keinen Spass.“

Trotzdem. Heute gehts aufs Bike. Man darf in der Beziehung ja auch mal einen Schritt auf den anderen zu machen. (Wobei ich ja nie verstehe, warum er überhaupt will, dass ich mitkomme. Ich bremse ihn ja nur aus, und er muss sich auch bei jeder Wurzel auf dem Weg Sorgen mache, ob ich heil darüber komme.)

So, langsam komme ich zum Punkt des heutigen Eintrags:

Ich bin so schlecht im Biken, weil ich zu wenig weit voraus schaue. Stattdessen gucke ich verkrampft einen Meter vor das Rad, fixiere alle Hindernisse wie Steinbrocken, Wurzeln, Schlaglöcher – und fahre dann selbstverständlich genau da drüber, weil ich sie fixiere.

Theoretisch weiss ich: Es geht viel besser, wenn ich weiter nach vorne schaue, die Arme am Lenker locker lasse und darauf vertraue, dass das Fahrrad um die Hindernisse herum seinen Weg macht. Krass, wie gut das funktioniert.

Braucht Übung, weil es schlicht eine doofe Gewohnheit ist, zu nah vors Rad hinunter zu schauen, und vor allem brauchts Vertrauen, dass ich clever genug bin, die Hindernisse ganz locker zu umfahren – eben, wenn der Kontrolletti nicht reinfunkt.

Kurz:

Mountainbiken ist wie das Leben: Wenn du dich auf die Hindernisse konzentrierst, sind sie schwer zu überwinden oder zu umgehen. Schaust du hingegen weit voraus – da, wo du wirklich hin willst, geht alles leichter.

Wäre ich jetzt ein mutiger Mensch, würde ich meine Angst, sprich: meinen Verstand, herausfordern und absichtlich trotz der Angst Biken gehen. Fertig mit der Vermeidungsstrategie, mich voll in die Gefahrenzone begeben. Und üben und  vertrauen und fühlen.

Wäre ich meine Kundin, würde ich mir empfehlen: geh 1x pro Woche biken. (Mit dieser Formulierung lasse ich jetzt schön die Tür offen, es ganz einfach nicht zu tun und zu vergessen. Clever, nicht? So tickt der Verstand.)

Montag, 29. Januar 2024

Krypto-Einführung

In einer meiner Mastermind-Gruppen durfte ich heute eine kleine Krypto-Einführung geben. Das war eine Première, habe ich bisher noch nie gemacht. Schon die Vorbereitung war lehrreich, weil ich einiges nochmals klären musste, um es auch schlüssig erklären zu können.

  • Warum heissen Kryptowährungen Kryptowährungen? (Weil sie ein kryptographisches Verschlüsselungsverfahren verwenden. Was das genau ist, werde ich zu meinen Lebzeiten eher nicht mehr begreifen, weil es mich auch nur mässig interessiert.)
  • Wie erkläre ich, was eine Blockchain ist? (Eine Kette aus digitalen Blöcken, auf denen Informationen hinterlegt sind.)
  • Wie kann ich den Unterschied zwischen echten Kryptowährungen und Digitalem Zentralbankengeld (CBDC) einfach erklären? (Krypto = dezentral organisiert ; CBDC = zentral von einem Staat kontrolliert)

Schliesslich habe ich kurz das Krypto-Projekt vorgestellt, in das ich investiert habe und das mir momentan verblüffend viel Geld bringt. Diese Chance will ich niemandem vorenthalten.

Mir hats Spass gemacht, den Mädels hoffentlich auch.

Dienstag, 30. Januar 2024

Halb-Berg, Halb-Italien

Heute rösten wir quer durch Norditalien, um im Hinterland von Bergamo eine Wohnung anzuschauen.

Wir sind so in den Halb-Bergen. Irgendwie ist hier Stimmung von einem touristischen Bergdorf, aber wir sind nur auf 650 m. Rund herum ein paar verschneite Gipfel. Irgendwie nett.

Ganz im Schweiz-Feeling, will ich den Fussgänger entschlossen überqueren, bloss um erinnert zu werden: wir sind hier in Italien, hier hält kein Auto vor dem Fussgänger an.

Halb-Italien.

Saukalt ists übrigens, kaum sind wir weg vom Meer. In der Ebene sind wir plötzlich im Minusbereich.

Darum hier ein bisschen Autobahn-Romantik:

Spinnennetz auf der Autobahn

Mittwoch, 31. Januar 2024

Reise mit italienischen öV

Bisher war ich der Meinung: der Ruf der italienischen Züge ist schlechter als sie in Wirklichkeit sind. Ausser ein paar Holperern, haben meine Zugreisen in Italien eigentlich immer ganz gut funktioniert.

Heute mal ein anderes Müsterchen, das mich viiiiel Geduld gekostet hat.

Die Reise geht von Clusone (35 km nördlich von Bergamo) nach Zürich. Ist ja nicht so eine Sache, könnte man meinen.

Die Herausforderung beginnt damit, die Infos zum Bus von Clusone bis Bergamo zu bekommen. Auf dieser Linie gibt es keinen Zug. Kleine Recherche im Internet, viele veraltete Seiten, kein aktueller Fahrplan.

Die verlässlichste Infostelle in Italien, die nächste Bar, versagt auch kläglich. Die sehr freundliche Bardame sagt: wir haben jede Stunde einen Bus, der nach Bergamo fährt.

Möglich, dass das im Sommer der Fall ist.

Im Moment ist es so: 3 Busse zwischen 7 und 8 Uhr, einen um 11.30, und das wärs dann schon am Morgen.

Freundlicherweise darf ich mit einem Autofahrer mitfahren. Er lädt mich in Nembro ab. Von hier fährt ein Tram direkt an den Bahnhof von Bergamo. Sehr komfortabel, wenn man die Info mal hat und weiss, wo sich diese Tramhaltestelle befindet.

Wie man für dieses Tram ein Ticket löst, weiss ich nicht. An der Haltestelle gibts keinen Automaten. Ich brauche die Hilfe von 3 Passagieren im Tram, um zu verstehen, wie ich das Ticket löse. Klappt aber schliesslich.

Bergamo Bahnhof. Ich trete ein, habe Zeit, bis der Zug fährt, suche eine Bar, da werde ich von 2 Polizisten angehalten: Ausweiskontrolle.

„Hä? Wozu?“, rutsch es mir ziemlich ungehalten raus.

Die Herren geben mir keine Auskunft. Aber ein etwas energischeres „Documenti, Signora!“

Mich zwickt es, mich zu verweigern, aber dann finde ich es auch wieder kindisch. Gebe den Herren meine ID, die sie gewissenhaft abscannen. Welches System erkennt denn meine Schweizer ID bei der italienischen Polizei? Mein Verstand beginnt sich schon wieder viele Gedanken zu machen.

Er ist empört.

Beginnt eine groooossse Geschichte zu machen von wegen Überwachung und Freiheit etc.

Ich klemme ihn ab, wir haben Anderes zu tun.

Das Zug-Ticket will ich wie immer über die Trenitalia-App lösen. Beim Bezahlvorgang besteht die App darauf, dass ich JETZT mein Passwort ändern muss. Der Link zur Seite mit der Passwortänderung kommt per Mail, aber diese Mail braucht eine Ewigkeit, bis es bei mir eintrifft.

Ich versuche einen anonymen Kauf. Geht gut bis zur Paypal-Zahlung. Dann will Paypal eine Identitätsprüfung machen, indem es mir einen 6-stelligen Code an die bereits erwähnte langsame E-Mail-Adresse schickt.

Entnervt gehe ich zum Ticketautomaten. Laaaaaaangsam auch hier – wie immer an den italienischen Bahnhöfen. Der erste Versuch scheitert, weiss ich warum, das System stürzt ab. Nix geht mehr. Anderer Automat. Schlange davor, …

Hätte ich es eilig, würde ich jetzt schwarz fahren.

Eeeendlich habe ich ein Papierticket in der Hand. Darauf hats einen QR-Code und eine kleine weisse Fläche, auf die Pfeilchen verweisen. Da soll das Ticket entwertet werden. Ich suche die vertrauten Entwertungsmaschinen. Nirgends. Aber neuere Geräte, die meinen QR-Code nicht einscannen wollen, und einen Stempel machen sie mir auch nicht aufs Ticket. Kurzerhand trage ich das Datum von Hand ein.

Himmel, ist das heute kompliziert! Ich bin ja sonst echt gewöhnt ans Zug-Reisen in Italien, aber heute haben sie wirklich alle denkbaren Hürden aufgebaut.

Es kommt noch mehr:

Der Zug fährt mit ein paar Minuten Verspätung ein. Die ältesten, dreckigsten Wagen, die ich seit langem gesehen habe. Nicht so schlimm, das verkraften wir. Nach 10 Minuten Warten im Zuginnern, stürmt ein junger Angestellter ins Abteil: „Der Zug ist storniert, bitte steigen Sie alle aus.“

Das ist alles, keine Durchsage, keine weitere Info. Schaut halt selber.

Ich warte eine Stunde auf den nächsten Zug.

Der nächste Versuch klappt, ich komme mit nur 10 Minuten Verspätung (plus die verlorene Stunde von zuvor) in Monza an, wo ich 20 Minuten auf den Anschlusszug warten muss.

Bald schon auf der Anzeige mein Zug: „Cancellato“. Auch dieser Zug fällt aus. Hier habe ich Glück und muss nur 10 Minuten länger warten. Ein Regionalzug fährt nach Chiasso, wo ich dann einen guten Anschluss habe. Dauert etwas länger, aber immerhin.

Sobald ich in der Schweiz bin, gehts easy.

Ist nicht immer so, aber heute bestätigen sich alle Clichés: in Italien funktioniert nix, in der Schweiz alles.

Und weil das so eine lange Geschichte war, kommt hier noch das Tages-Fazit:

Der heutige Tag hat mir ein reiches Menü an Geduldsproben serviert. Zwischendurch war ich echt genervt, aber sobald ich das gemerkt habe, rutschte ich zurück in den Körper, um festzustellen, wo es denn zwickte.

Was für ein ausgezeichnetes Tool, dieses Fühlen. Es macht alles, ALLES zu einer spannenden Entdeckungsreise. Selbst dieser Tag voller Warten und Umdisponieren hat mir so viele Gelegenheiten geschenkt, meine Programme zu entlarven, indem ich beobachtete, was mein Verstand gerade so trieb und was ich im Körper fühlte.

Donnerstag, 01. Februar 2024

So freundlich

Jedes einzelne Mal, wenn ich in der Schweiz bin, erfreut mich die Freundlichkeit der Menschen.

Die Ironie der Sache: als Teenager war ich der Meinung, dass die Schweizer das unfreundlichste Volk der Welt wären, und nur im Ausland sei alles besser – zumindest in Bezug auf den Umgang miteinander.

Jetzt lebe ich in Italien und stelle fest, dass hier viele Leute WIRKLICH unfreundlich sind.

Das erstaunt. Mich selber, die ich als Fahrradtouristin doch auch immer wieder auf sehr hilfsbereite Italiener (ja, Männer, kaum Frauen) getroffen bin.

Und es erstaunt ganz viele Deutschsprachige, die (wie ich früher) ein Bild vom stets gut gelaunten Italiener haben, der mit offenen Armen und einem breiten Lachen alle Menschen empfängt.

Mag sein, dass sich in den gut 30 Jahren, die seit meinem Teenager-Alter vergangen sind, so einiges geändert hat, sowohl in Italien, wie auch in der Schweiz.

Heute laufe ich also in der Schweiz zum Einkaufen in den Supermarkt und begegne 3 anderen Fussgängern, die mich allesamt anlächeln und grüssen. Einer wünscht mir gar einen guten Tag. Ein Mensch, den ich noch nie gesehen habe. Und wir sind hier wohlgemerkt in einer Stadt, nicht im hinterletzten Kaff, in dem die Neuzeit noch nicht angekommen ist.

  • Freundliche Angestellte im Supermarkt.
  • Freundliche Angestellte in der Drogerie.
  • Freundliche Angestellte im Café.
  • Freundliche Angestellte am Bahnschalter.
  • Freundliche Angestellte im Steueramt.

Ich bin höchst gespannt, wie das mit der Freundlichkeit der Menschen an unserem neuen Wohnort in Italien ist. Jedenfalls ist das für mich ein Grund für einen Wohnortwechsel.

Schon möglich, dass wir dann bald mal wieder in der Schweiz wohnen.


Danke für dein Interesse ❤️