Neue Woche im Ego-Journal: 23.-29. Februar 2024

Fazit dieser Woche

  • Fokus halten auf etwas, was mir wichtig ist, verbessert meine Lebensqualität
  • Verzettelt sein macht mich unzufrieden
  • Ein grosses Ziel lenkt bestens von dem ab, was ich in mir drin aufzuräumen hätte
  • Ent-wicklung ist das, was mich wirklich interessiert: mein Gehedder von Gedanken und Programmen auseinander fädeln
  • Gruppen-Radtouren sind (meistens) doof – ich würds anders machen

Fokus

Freitag, 23. Februar 2024

Wenn ich nicht entscheide, wohin ich meinen Fokus richte, entscheidet die Umgebung für mich.

Das ist relativ neu für mich. Ich habe nie gelernt, Fokus auf etwas zu halten, habe mich mehr treiben lassen von dem, was mir gerade einfiel oder entgegen kam.

Seit ich solche fokussierten Zeiten haben, merke ich einen krassen Unterschied in der Qualität von dem, was ich tue, aber auch in dem, was ich wahrnehme.

Es fällt mir nicht leicht, fokussiert zu bleiben. Ich spüre die Impulse, rasch die Mails zu checken, rasch eine Nachricht zu schreiben, rasch ein Foto für einen Artikel zu suchen. Alles mitten in der Arbeit, die mir wichtig sind.

Diese Ablenkungen sind wie eine Sucht. Wenn ich zu faul bin zu denken oder etwas zu entscheiden.

Fokus halten will geübt sein.

Samstag, 24. Februar 2024

Gruppen-Radtour – so nicht!

Im Rahmen des Laigueglia-Radrennens in diesen Tagen, lädt eine kleine Gruppe von Radfahrern aus der Gegend zu einer kostenlosen Radtour für Interessierte ein. Eine Graveltour über 30 km ist angekündigt. Für jeden Stärkegrad, also auch für Anfänger.

Dass man nicht so recht versteht, wo genau die Versammlung und der Start ist, bin ich mich in Italien langsam gewöhnt. Detaillierte Kommunikation ist wirklich nicht des Italieners Stärke, aber es geht ja auch so.

Es ist windig und kühl, und nur etwa 15 Radfahrer finden sich ein. Ein paar Gravelbikes, zwei Frauen auf E-Bikes, wir übrigen haben motorlose (ältere) Mountainbikes.

Die Tour geht zügig los, und schon bald ist ein Grüppchen von 3 Teilnehmern abgehängt. Bei jeder Abzweigung wartet die Gruppe, und kaum haben die Langsameren aufgeholt, gehts weiter. So bleibt für Letztere nie eine Pause.

Wie so oft in Gruppen: den Stärkeren ist langweilig, die Schwächeren sind gestresst.

Den Leitern fällt es nicht ein, sich mal mit den Langsameren zu unterhalten, zu fragen, wie es geht, was sie sich wünschen – irgendwas Freundliches. Es kommt mir vor, als wären diese 3 Nachzügler einfach nur lästig.

Und das regt mich total auf!

Darum fahre ich nicht gern in Gruppen mit.

Aber wenn schon Gruppen, dann macht eine für die Schnellen und eine für die Gemütlichen.

Sollte ich irgendwann mal eine Gruppe leiten, gehts bei mir menschenfreundlicher zu und her.

Trotzdem: die Tour war schön, und ich habe ein paar neue Wege entdeckt. Danke den Organisatoren.

Sonntag, 25. Februar 2024

Radrennen – wieso nur?

Heute schaue ich beim Start und Ziel der Rennrad-Amateure am Gran fondo von Laigueglia zu.

Über 1000 Radfahrer*innen nehmen teil. Dicht gedrängt warten sie vor 9 Uhr im frischen Wind auf den Start. Manche stehen schon eine Stunde da, weil sie weit vorne starten wollen.

Start. Gleich mal eine enge Kurve, dicht an dicht mit den anderen, die ebenfalls schnell wegkommen wollen.

Dann Vollgas für die nächsten 100 km.

Also, ich kann das so überhaupt gar nicht nachvollziehen, dass man sowas mitmachen will.

Das Ellböglen, die Quälerei, das Auspressen des Körpers. Ich war halt einfach noch nie so kompetitiv gestrickt. Gewinnen sagt mir so überhaupt nichts.

Ich bin für gemütliches Radfahren, auch mal sportlich, auch mal ein bisschen an die Grenzen des Körpers – das genügt mir vollkommen. Genuss, darum gehts mir.

Montag, 26. Februar 2024

Überfahren

Ein Strassenbau-Arbeiter wird auf der Autobahn überfahren.

Genau auf der Strecke, auf der ich letzten Donnerstag Abend fast Zustände gekriegt habe, weil die Baustellen-Abschnitte so schlecht markiert und ausgeleuchtet sind.

Eine Geisterbahn. Ein Horror.

Es wundert mich nicht.

Es tut mir sehr leid.

Dienstag, 27. Februar 2024

Ent-wicklung: kein grosses Ziel

„… aber das Allerwichtigste ist ein grosses Ziel. Das bringt dich jeden Tag weiter.“

Habe ich kürzlich wieder irgendwo gelesen.

Habe ich vor 2 Jahren auch noch in der Art geschrieben und war auch überzeugt davon.

Mittlerweile glaube ich, dass solche Ziele auch ordentlich stressen und unnötigen Druck bringen.

Und vor allem frage ich mich:

  • Weiter kommen bei was?
  • Warum muss ich jeden Tag weiter kommen?
  • Macht mich das langfristig glücklicher, wenn ich weiter komme?

Damals, als ich auch noch der Meinung war, jede*r müsste ein grosses Ziel haben, glaubte ich an den Segen der „Persönlichkeitsentwicklung“. Wenn ich mich nach einem grossen Ziel strecke, muss ich mich weiter entwickeln, neue Fähigkeiten lernen, mir neue Gewohnheiten zulegen. Das glaube ich immer noch, geht gar nichts anders.

Aber ich glaube nicht mehr, dass ich dadurch ein glücklicheres, entspannteres Leben führe – und darum gehts ja am Ende. 

Nur weil ich besser vor Menschen sprechen kann oder einen superscharfen Fokus oder einen umwerfenden Schreibstil entwickelt habe, bin ich nicht als Mensch „entwickelter“. Ich habe bloss ein paar Fähigkeiten mehr, die mir helfen, selbstsicherer und bestimmter meine Ziele zu erreichen. Mein Verstand hat ein paar Sachen dazu gelernt, und bestenfalls kann ich mit meinen Emotionen besser umgehen.

Aber was ändert das an meinem Dasein? Bin ich dadurch glücklicher? Bestenfalls ja. Ich habe diese Erfahrung aber nicht gemacht. Ich war vielleicht stolz, etwas gemeistert oder etwas dazu gelernt zu haben, aber ich war nicht glücklicher oder entspannter als zuvor. Weil: ich musste ja zum (neuen) grossen Ziel kommen. Vorankommen.

Ich stehe mittlerweile für eine andere Art von Ent-wicklung: 

Ent-wickeln ist so ein cooles Wort. Etwas ent-wickeln wie einen verhedderten Wollknäuel.

Ich ent-wickle mich. Ich ent-wickle mein verheddertes Inneres, versuche mein inneres Gehedder zu entwirren. Das passt so sehr zu dem, was ich in mir vorfinde, wenn ich meine Gedanken beobachte und all die Programme, die noch in mir wirken. Viele habe ich noch nicht einmal entdeckt, die wirken weiter ohne dass ich es merke.

So vieles ist bei uns innerlich verheddert, und wir glauben, grosse äussere Ziele zu brauchen, um dieses innere Gewirr zu ent-wickeln?

Echte Ent-wicklung findet ganz still in mir drin statt und beschert mir jetzt schon ein glückliches, entspanntes Leben.

Weil ich kein grosses Ziel mehr brauche.

Mittwoch, 28. Februar 2024

Abgelenkt durch grosses Ziel

Nachtrag zu gestern zum Thema grosse Ziele:

Wenn ich einem grossen Ziel hinterher renne, bin ich auch permanent nach aussen orientiert, weil ich das grosse Ziel ja aussen manifestieren will (Haus am Meer, Partner fürs Leben, 20000 Euro Einkommen im Monat, …).

Ich halte es für praktisch unmöglich, gleichzeitig aussen ein grosses Ziel zu verfolgen und innerlich mein Chaos zu ent-wickeln.

Darum lenken grosse Ziele einfach von der inneren Aufräumarbeit ab, und das tut mir nicht gut.

Donnerstag, 29. Februar 2024

Last second-Auftrag

Eine Zeitschrift, für die ich schon öfter geschrieben habe, hat mir einen Auftrag für einen Artikel geschickt. Das ist cool.

Nicht so cool ist, dass ich den fertigen Artikel mit Fotos spätestens am Montag abgeben muss.

So kann ich wieder mal ein bisschen Stress in mir fühlen.

Zeigt sich bei mir schnell mal mit Humorlosigkeit und einem überaktiven Verstand.

Aber jetzt ran ans fokussierte Arbeiten!


Danke für dein Interesse ❤️ Kommentiere gerne, wenn dir etwas unter den Nägeln brennt.