Neue Woche im Ego-Journal: 8.-14. März 2024

Fazit dieser Woche

  • „Etwas tun“ ist wie eine Sucht. Dabei liefe so vieles einfacher, wenn ich die Finger raushalten und das Leben machen lassen würde.
  • „Faul rumsitzen“ ist für mich eine formidable Übung, um das kleine Ego in die Schranken zu weisen. Es gelingt mir (noch) nicht so recht, aber ich bleibe dran.
  • „Nichts persönlich nehmen“ ist auf beide Seiten anspruchsvoll: wenn mir jemand an die Karre fährt, aber auch wenn ich ein Lob bekomme.
  • „Verstehen wollen“ führt oft zur Überanalyse von Dingen, die längst passé sind. Lassen wir sie doch ruhen und kauen nicht noch weiter darauf herum.

Tun oder lassen?

Freitag, 08. März 2024

Langsam, langsam beginne ich zu verstehen, dass ich nichts tun muss, um in Frieden zu sein mit dem Leben. Einfach sein lassen.

Ich habe noch immer diesen Aktionismus in mir, der TUN will, um irgendwas zu erreichen.

Es geht ja nicht darum, faul rumzuliegen, aber die wesentlichen Dinge scheinen von selbst zu laufen. Nein, sie scheinen besser zu laufen, wenn ich die Finger raushalte und das Leben machen lasse.

Samstag, 09. März 2024

Verstehen wollen

Mein Verstand will alles verstehen.

  • Warum ich heute müde bin.
  • Warum ich so störrisch bin, wenn es darum geht, „wie man etwas tun soll“.
  • Warum ich mich nicht regelmässig zum Meditieren aufraffen kann, obwohl ich weiss, dass es mir gut tut.

Es gab Zeiten, da habe ich solche Fragen stundenlang mit Freundinnen durchanalysiert. Manchmal gabs eine Erklärung. Weil ich früher mal diese und jene Erfahrung gemacht habe, werde ich störrisch, wenn…

Und jetzt? Ändert das irgendwas an der aktuellen Situation?

Selten.

Man kann selbstverständlich alles verpsychologisieren und in Einzelteile zerlegen. Bloss bringt mich das keinen Millimeter weiter.

Die Frage ist immer nur:

Bin ich gerade in meinem Körper präsent und fühle den Widerstand, die Wut, die Trauer, die Freude, die Angst, … was gerade eben da ist.

Und dann kanns eben sein, dass aus diesem Gefühl plötzlich eine Klarheit hervorkommt, die solche Bremser löst.

Ganz und gar nix Neues: Ich brauche nichts zu tun, ausser zu lernen, dem Leben nicht ins Handwerk zu pfuschen.

Sonntag, 10. März 2024

Mirko Betz

Einer, der mich immer wieder inspiriert, ist Mirko Betz.

Harter Tubak, den er von sich gibt, aber ich liebe seine kreative Art, die immer gleichen Dinge in tausend Varianten zu sagen.

Längst nicht jeder wird mit ihm einverstanden sein. Ich verstehe sogar, wenn jemand so ordentlich getriggert wird von ihm, aber entweder erwacht man dadurch oder folgt ihm eben nicht.

Wenns dich interessiert, hier ist Mirkos Telegram-Kanal.

Montag, 11. März 2024

Faul rumsitzen

„Was läuft bei dir heute?“, textet mir eine Freundin.

„Ich fahre mit dem Zug in die Schweiz, sitze also den ganzen Tag blöd rum“, antworte ich.

Ihre Antwort: „Ähm, „dumm-faul“ rumsitzen ist genau das, was Hiene meint, oder ?
Das ist wahrhaftig Erdverbundenheit spüren.
In Licht, Liebe & Glückseligkeit gebadet schweben wäre die alte Konditionierung, oder ?“

Sie meinte damit die „etwas andere Disziplin“ von Stefan Hiene, über die ich sogar schon mal einen Blog-Artikel geschrieben habe: Die Kunst, so lange nichts zu tun, bis man wirklich auf etwas Lust hat.

Huch, ja. Stimmt.

Ob sich jemand vorstellen kann, wie schwer es mir fällt, einfach nur blöd rumzusitzen?

Irgendwas Gescheites muss ich doch auf dieser 8-Stunden-Reise tun. Arbeiten, Dinge erledigen, …

Nichts tun, bis mich echte Inspiration überkommt, fällt mir immer noch höllisch schwer.

Dienstag, 12. März 2024

Bereut

„Echt jetzt, du bereust, dass du ans Gymnasium gegangen bist?!“, fragte mich kürzlich ein Freund.

Ja, das bereue ich.

Obwohl es doch toll ist, wenn man so eine gute Schulbildung hat. Und einem alle Türen offen stehen. Und man studieren gehen kann, was immer man möchte.

Tja, aber was hat mir das alles gebracht?

Für mich war die gesamte Schulzeit eine einzige Qual. Das viele Stillsitzen, die Themen, die mich so oft nicht interessierten, die Gspändli, mit denen ich wenig anfangen konnte. Alles war einfach nur anstrengend und stressig.

Nach der obligatorischen Schulzeit wäre eine Lehre für mich super gewesen.

Bloss: ich wusste halt nicht, was ich wollte. Ich hatte keinen blassen Schimmer, welche Lehre ich anpeilen könnte.

Darum ging ich eben aufs Gymnasium.

Aber es waren verschwendete 4.5 Jahre. Weil ich nämlich danach immer noch nicht wusste, was ich wollte.

In diesen 4.5 Jahren hätte ich eine ganze Lehre abschliessen können und bereits Geld verdienen und meine Berufserfahrungen sammeln und Selbstvertrauen aufbauen und Kontakte knüpfen, und lernen, mit Kunden umzugehen, und…

Stattdessen sass ich rum und fand alles nur ätzend.

Ja, das bereue ich. Auch wenns natürlich nichts ändert.

Mittwoch, 13. März 2024

Nichts persönlich nehmen

Das ist eine schöne Übung: nimm nichts persönlich, was dir widerfährt. Ob negativ oder positiv.

Kann ich heute gut üben, weil mir jemand etwas sagt, was ich scheints falsch gemacht habe, und ich weiss, dass es nicht wahr ist.

Mein kleines Ego will diesbezüglich 1. recht haben und nimmts 2. sehr persönlich.

Es brummt ordentlich in mir, die Körperempfindungen laufen heiss – immerhin schaffe ich es schon mal, mich auf den Körper zu konzentrieren und weniger um die Schlacht, die in meinem Kopf vor sich geht.

Ein Erfolg. Aber den nehme ich jetzt eben auch nicht persönlich…

Donnerstag, 14. März 2024

Unnütze Aussprache

Passend zum Samstags-Thema oben „Verstehen wollen“, habe ich nach einer kürzlichen Aussprache mit einer Freundin festgestellt, dass auch in diesem Fall die ganze Analysiererei unnütz war.

Leider habe ich es tatsächlich erst NACH dem Gespräch bemerkt. Während des Gesprächs habe ich kräftig mitgemischt bei der Frage, warum wir in letzter Zeit so ein gespanntes Verhältnis hatten.

Wieder: das Durchkauen von alten Themen bringt hinten und vorne nichts. Es wirbelt nur nochmals das gegenseitige Unverständnis auf.

Ich hoffe, dass es das letzte Mal war, dass ich zu solchem Mist beigetragen habe.


Danke für dein Interesse ❤️