Neue Woche im Ego-Journal: 10.-16. Mai 2024

Fazit dieser Woche

  • Das dauernde Kontrollierenwollen aufgeben ist schwer. Oder vielleicht doch nicht?
  • Wenn du an nichts mehr interessiert bist und nur noch weg willst: was ich heute tun würde.
  • Interessant mitzuerleben, wie der Verstand die Intuition verscheucht und den Flow platt macht.
  • Content-Pläne erstellen ist toll – sie ausführen weniger.
  • ADHS oder Angestellten-Haltung?

Kontrolle aufgeben

Freitag, 10. Mai 2024

Lass die Kontrolle los, damit die Essenz einziehen kann.

Hehe, gute Idee. Für mich nicht so leicht umsetzbar.

Das Konzept leuchtet mir ein, tatsächlich würde ich auch liebend gern auf den Oberkontroller in mir verzichten, aber die Programmierung ist so tief drin, dass das womöglich der letzte Posten ist, der bei mir je fallen wird.

Spätestens bei meinem letzten Atemzug.

Hoffentlich vorher.

Vielleicht ist nämlich auch das nur eine unnütze Programmierung, dass es schwierig ist, den Kontrolleur in die Wüste zu schicken…?

Samstag, 11. Mai 2024

Nix wie weg

„Kennst du das auch, wenn du an nichts mehr interessiert bist und nur noch weg willst?“, fragte mich kürzlich jemand.

Und wie ich das kenne! Während meinen Depressionsjahren war das praktisch ein Dauerzustand. Ganz schwer auszuhalten.

Ich war getrieben vom „Nix wie weg hier“, wusste aber nicht, wohin und wie das denn gehen sollte.

Aber ich handelte praktisch nur aus diesem Antrieb raus: einfach weg aus diesem uninteressierten, uninteressanten Dasein, aus diesem Stillstand, aus dieser Leere.

Vor allem weg aus diesem aktuellen Job. Aus der Abhängigkeit von einem Arbeitgeber, von einem Wohnort, von fixen Arbeitszeiten und einer starren Lebensform.

Himmel, wie sehr ich damals weg wollte!

Aber je öfter ich die Stelle und den Wohnort wechselte, desto enger wurde die Schlinge um meinen Hals, desto weniger Luft hatte ich, desto mehr sah ich ein, dass das einfach nicht die Lösung war für mein Elend.

Ich hätte mir so viele Stellen- und Wohnungswechsel sparen können, hätte ich nur eine Sache getan, die ich damals einfach noch nicht kannte:

Meine Gefühle im Körper fühlen. Die Körperempfindung wahrnehmen, wenn dieses Nix-wie-weg in meinem Hirn aktiv war.

Und eben nicht verzweifelt nach Lösungen suchen.

Das waren so ermüdende Denkschlaufen. Dieses Suchen-suchen-suchen, dazwischen ein Funken Hoffnung, dass ich etwas Tolles gefunden hatte, das mich befreien würde (neue Stellenausschreibung, neue Ausbildung, Auslandaufenthalt, neue Wohnung, …), und dann das Absacken in die Ernüchterung: das bringt doch alles nichts, ich bin gefangen und werde hier nie rauskommen.

Womit dann das Desinteresse am gesamten Dasein zurück war.

Hätte ich mich einfach hingesetzt, meine Körperempfindungen wahrgenommen und die Situation so hingenommen, wie sie gerade war, ganz ohne Widerstand dagegen, hätte ich mit der Zeit die Stimme in mir wahrnehmen können, die mir schon immer den Weg geleitet hat.

Sonntag, 13. Mai 2024

Nichts tun

Heute komme ich wegen Besuchs bei uns nicht zum Arbeiten. Heisst: ich rühre den Computer kaum an.

Wie ich das geniesse!

Und ein wenig erschreckts mich, dass sich das so speziell anfühlt. Fast fehlt mir das Gerät physisch.

Wann hatte ich mir das letzte Mal Zeit genommen, einfach so in der Sonne zu sitzen und nichts zu tun?

Warum tue ich das nicht öfter?

Klar, weils am Computer immer endlos viele Dinge zu tun gibt.

Sind die wirklich so wichtig für mein Leben?

Hm… ???

Montag, 13. Mai 2024

Du musst Geld verdienen-Panikmache

Jetzt konnte ich mir gerade selber zuschauen, wie ich mir den Wind aus den Segeln nahm.

Letzte Woche war die grosse Begeisterung für mein Creator-Business zurück (für das ich während der Umzugszeit arg wenig Zeit gehabt hatte). Ich stürzte mich in die Arbeit, freute mich über die Leichtigkeit des Newsletter-Schreibens und den Flow beim Bloggen.

Dann gesellte sich der Verstand mit seiner unendlichen Weisheit dazu:

„Das macht doch alles keinen Sinn, einfach so drauflos zu schreiben. Du musst erst mal dein Produkt genau bestimmen und dann den Content zurück planen. Ein bisschen Strategie, Madame, sonst wird das nix mit Geld verdienen.“

Und so begann ich mich wieder in diese Fragen einzubuddeln, bei denen ich mich schon immer verloren hatte, weil ich sie einfach nicht so glasklar beantworten kann.

Dabei ist das Arbeiten viel schöner, wenn ich der Intuition folge und einfach drauflos schreibe, wenn mir danach ist.

Ganz ohne Strategie, Produkt und Zurückplanen.

Ich bin einmal mehr auf die blöde „Du musst Geld verdienen“-Panikmache des Verstandes reingefallen.

Die Begeisterung liegt gerade platt darunter.

Dienstag, 14. Mai 2024

Zwischen Struktur und Freestyle

Wie gestern schon gesagt: am liebsten schreibe ich einfach drauflos.

Andererseits bin ich sehr strukturiert und liebe es, die Übersicht zu haben, Dinge einordnen zu können, Prozesse und Abläufe gut im Griff zu haben. Tja, ich liebe tatsächlich Systeme, in denen Dinge gut organisiert sind.

Die Bibliothekarin dringt da immer wieder durch.

Ich hätte auch gern (endlich mal) ein System in meiner Content-Erstellung und -Ablage, und darum bin ich in einem Kurs dazu. Ich bräuchte den nicht unbedingt, weil ich schon sehr viel darüber gelesen habe und weiss, wie so ein System funktioniert.

Der Witz ist, dass ich jedes Mal ins Nichts laufe, wenn ich ein solches System anwenden soll. Ich installiere es begeistert, mache mir Pläne, wann ich was tun werde – und dann, wenn ich die geplanten Content-Stücke umsetzen sollte, verweigere ich den Dienst und mache es einfach nicht.

Insofern sind auch alle Kurse dazu nutzlos.

Warum mich diese Pläne so ausbremsen und wie ich das überwinde, ist mir noch nicht klar.

Es könnte sein, dass sich meine Inspiration davonmacht, sobald sie einen Plan sieht. Ein vorgegebenes Thema zu verbloggen, ist nicht wirklich sehr inspirierend. Ich schreibe so viel besser, wenn ich den Drang dazu verspüre. Allerdings passiert ja dann auch wochenlang gar nichts, wenn ich nichts plane.

Womit ich einmal mehr zurück bin bei der Disziplin, nichts zu tun, bis mich die Inspiration dazu einlädt.

Mittwoch, 16. Mai 2024

Coworking-Segen

Da ertappe ich mich wieder bei etwas Absurden, aber doch Bereicherndem:

Ich habe so meine Mühe, über längere Zeit fokussiert und konzentriert an einer Sache dranzubleiben. Meine Schwester ist der Meinung, ich sei ein ADHS-Kind, und das ist eine sehr willkommene Ausrede, um nicht länger an einer Aufgabe zu arbeiten als ich gerade Lust habe.

Interessanterweise kann ich durchaus 3 volle Stunden konzentriert arbeiten, wenn ich in einem Coworking bin. Wohlgemerkt nicht in einem physischen Coworking-Space, sondern in einem Zoom-Coworking.

Wir treffen uns also per Zoom, jede Teilnehmerin gibt zu Beginn ihr Commitment ab, was sie in dieser Zeit arbeitet, und dann arbeiten alle still vor sich her, Zoom läuft einfach weiter, und eine halbe Stunde vor Schluss gibts nochmals eine Ergebnis- oder Fragerunde.

In dieser Zeit habe ich plötzlich keine ADHS-Symptome mehr und bin durchaus in der Lage, konzentriert an einer Sache dranzubleiben.

Daraus ziehe ich 2 Schlüsse:

  1. Mir tut Coworking-Gesellschaft gut.
  2. Ich kann schon dranbleiben, wenn ich wirklich will.

Eigentlich schade, dass ich so viel Zeit vertue mit Abgelenktsein – von innen (Gedanken, Ideen) wie auch von aussen (Mails etc.).

Wenn ich nämlich während dem Coworking eine Aufgabe innert 3-4 Stunden richtig gut erledige, bin ich 1. total zufrieden mit mir und habe 2. danach mehr Zeit für Freizeit oder eine weitere Aufgabe.

Keine neue Erkenntnis, aber ich habs heute halt wieder mal eindrücklich erlebt und sehe das Absurde darin, dass ich nur konzentriert arbeite, wenn da eine äussere Instanz ist, die mich „kontrolliert“.

Typisch Verstand.

Und immer noch die tief programmierte Angestellten-Haltung.

Donnerstag, 16. Mai 2024

Blog: nicht in die Gänge kommen

Beim gestrigen Coworking habe ich endlich wieder mal einen „echten“ Blog-Artikel geschrieben:

21 Gründe, warum du nicht in die Gänge kommst bei deinem Job-Aussteiger-Projekt

Wie ich dieses Blog-Artikel-Schreiben liebe! Ich verstehe gar nicht, warum ich mich immer so lange drum herum drücke, bevor ich einen in Angriff nehme.

Na, vielleicht sollte ich mir die 21 Gründe nochmals durchlesen, warum ich selber nicht in die Gänge komme?


Danke für dein Interesse ❤️