Auf meinem Weg zum ortsunabhängigen Arbeiten und Leben verirre ich mich immer wieder mal auf Wege, die scheinbar nicht zu meiner Vision der Ortsunabhängigkeit passen. Manchmal aus Neugier, manchmal aus Notwendigkeit, manchmal zum Überprüfen, ob ich mich noch auf der richtigen Spur befinde. Und manchmal, weil ich aus Angst oder Unachtsamkeit tatsächlich auf den falschen Pfad geraten bin. Wie in diesem Winter 2019/2020, als ich mich ortsabhängig verirrt habe.

Überwintern: Lust auf ein sesshaftes Leben und einen Job als Angestellte

Im Herbst 2019 war ich sehr müde von meinem Leben als selbständige Texterin, als Digitale Nomadin, als Miss Move Bloggerin, als Radreisende und Reiseautorin in Italien.

Eine grosse Sehnsucht überzog mein ganzes Sein:

  • nach einem Zimmer, das nur mir gehört.
  • nach einem Job mit einem Team und einem geregelten Einkommen.
  • nach live-Treffen mit meinen Freunden und mit meiner Familie
  • keine Unterkunftssuche
  • keine Kunden-Akquise
  • keine finanziellen Engpässe
  • Kurz: Ruhe und Sicherheit

Diese Sehnsucht ergreift mich eigentlich in jedem Herbst. Weil ich im Sommer nomadisch unterwegs bin und viel zu oft damit beschäftigt, einen guten Platz zum Arbeiten und zum Übernachten zu suchen.

Und weil der Winter an die Tür klopft und fragt: Na, Doro, wo genau wirst du sein, wenn es um 17 Uhr eindunkelt und die Temperaturen nicht mehr über 10 Grad steigen? Und wie wirst du dieses Zuhause bezahlen?

So zog ich im Oktober 2019 in ein Zimmer in einer 2er-WG in der Schweiz, nahm im Dezember einen Job als Weihnachtsaushilfe an, arbeitete auch im Januar probehalber als Angestellte – bereit, eine unbefristete Stelle anzunehmen.

Ich hatte wirklich die feste Absicht, in der Schweiz zu bleiben, meinen Traum vom ortsunabhängigen Leben zu verabschieden, die Selbständigkeit aufzugeben und allen Zweiflern zuzustimmen: ja, ihr habt recht, es ist zu schwierig, zu anstrengend, dieses ortsunabhängige Arbeiten und Leben.

Ortsabhängig verirrt: nach 3 Monate Sesshaftigkeit

Nach 3 Monate “Normalität” kommt der Irrtum auch bei mir an: Ich habe mich ortsabhängig verirrt.

Wie ich es merke? Es beginnt wieder zu ziehen. Die Beine werden zapplig, sie wollen pedalen. Der Geist braucht neue, weite Horizonte. Und nach dem Angestelltenjob weiss ich wieder: ich will an MEINEN Dingen arbeiten, für MEINE Vision und vor allem in MEINEM Rhythmus und da, wo ICH will.

Nichts zu machen: mit diesem Ausflug ins Angestelltenleben mit festem Wohnsitz, ist mein Wunsch nach Unabhängigkeit nur noch gewachsen, hat meine Entschlossenheit gestärkt: die Ortsunabhängigkeit ist meine ideale Arbeits- und Lebensform.

Ich will wieder unterwegs sein, Unbekanntes erforschen, herumstreunen, Abwechslung, neue Geschichten hören, mit dem Fahrrad reisen, im Freien arbeiten, die Sonne auf den nackten Füssen spüren.

Nichts Neues. Aber neu bestätigt. Ich bin einfach nicht talentiert für dieses “normale” Leben.

Lieber Geld ausgeben für das ortsunabhängige Leben als für Schweizer Fixkosten

Diese Erkenntnis hatte ich Ende 2017 schon einmal: mit dem Geld, das ich in der Schweiz aufwende, um ein Leben zu leben, das ich in dieser Form gar nicht will (unbefristet sesshaft in einer Block-Wohnung), kann ich ziemlich gut ortsunabhängig leben.

Ich muss nicht mehr permanent reisen, kann durchaus auch ein paar Wochen am gleichen Ort sein. Aber eben da, wo ich in diesem Moment wirklich sein WILL. Und zwar ohne grosse Vorausplanung. Einfach wieder den Impulsen folgen. Bleiben, wo es passt, weiterziehen, wenn es Zeit ist.

Warum ein Job als Weihnachtsaushilfe meinem Schreib-Business gut tat

Im Dezember arbeitete ich an der Kasse eines Luxus-Supermarktes.

Falls du dich gerade in einem Kriselchen mit deiner Selbständigkeit befindest, kann ich dir einen solchen Job nur empfehlen. Er rückt deine Werte und Prioritäten wieder in die für dich richtige Reihenfolge.

Der Job war mordsanstrengend. Einerseits die Arbeitszeiten, andererseits die Bedingungen:

Ich sass so lange an einer Kasse, bis mich jemand ablöste. Ich wusste nie, wann das sein würde. Manchmal waren es bloss zwei Stunden, aber auch einmal viereinhalb am Stück. Ohne mich je von diesem Stuhl zu erheben, stell dir das mal vor! Dann eine halbe Stunde Pause – gerade knapp Zeit, um etwas zu essen und eeeendlich zur Toilette zu gehen. Dann gings weiter an der Kasse…

Ich war abends so erledigt, dass ich kaum mehr in der Lage war, an meinem Schreib-Business zu arbeiten. Was für eine Befreiung, als dieser Job am 31. Dezember endete!

Jetzt sprühe ich wieder vor Lust, exzellente Arbeit für meine Kunden zu leisten und meine Selbständigkeit nachhaltig aufzubauen, damit ich gut davon leben kann. Und damit ich selber entscheiden kann, wann, wie lange, woran und wo ich arbeite.
Ortsunabhängig – selbstverständlich!

In dem Sinne war mein Irrweg nicht wirklich falsch. Vielleicht brauchte ich nur wieder die Erfahrung, auf welcher Autobahn ich eben nicht mitfahren will. Um mit neuer Motivation, Freude und Energie auf meinem ganz eigenen Weg weiter zu holpern.

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Foto: Markus Spiske auf Unsplash