Mein zweiter Rückblick auf meine Erfahrungen als Bloggerin, Texterin und Coach. In diesem Artikel berichte ich über meine Irrwege, meine kleinen Erfolge, wie ich mich von „shiny objects“ verführen liess, wie meine Selbständigkeit als Freelance Texterin voran kam und welche Schlüsse ich daraus ziehe.

Die zweiten 3 Jahre als selbständige Texterin

Seit 2017 bin ich selbständige Bloggerin und Texterin. Ich lebe vom Schreiben. Wie ich meine ersten 3 Jahre der Selbständigkeit gemeistert hatte, kannst du im Artikel Vom Schreiben leben: meine ersten 3 Jahre als Reisejournalistin und Content Marketing Texterin (2017-2019) nachlesen.

Jetzt ist also der zweite Bericht dran: was habe ich in den Jahren 2020-2022 in meiner Selbständigkeit getan – wie lebt es sich als „routinierte Texterin“?

Gleich vorweg: eine „routinierte Texterin“ bin ich noch nicht geworden. Man würde meinen, dass ich es nach 6 Jahren sein müsste, aber ich hatte so meine Gründe, um noch den einen oder anderen Umweg zu machen…

Das Ende der Reisejournalistin

Ende 2019 versuchte ich noch, mich als Reisejournalistin zu etablieren. Ein paar wenige kleine Berichte konnte ich in Zeitschriften unterbringen, aber der finanzielle Ertrag lag weit unter dem Aufwand, den ich betrieb, um Artikelideen zu finden und Zeitschriften, die einen solchen Artikel veröffentlichen würden.

Mit Museen schien es noch am besten zu klappen. Ich konnte einen Artikel über das Kutschenmuseum in Piacenza veröffentlichen.

Weil ich wusste, dass ich im März 2020 an die TBEX, die Reiseblogger-Konferenz in Catania reisen würde, fragte ich im Herbst 2019 eine Zeitschrift für Militärgeschichte, ob sie an einem Artikel über das Museum zum Zweiten Weltkrieg interessiert wäre. Die Antwort kam umgehend, grosses Interesse, grosse Begeisterung, ein Telefonat mit dem zuständigen Verlagsmitarbeiter. Es sollte eine Foto-Geschichte in einer Sondernummer geben.

Auch ich war begeistert und sah mich schon als gefragte Reisejournalistin. Endlich bewegte sich etwas. Ich vereinbarte sofort einen Termin mit dem Museumsdirektor in Catania und freute mich auf meinen Besuch dort.

Bloss ging Italien am Tag vor diesem Interview-Termin in den Lockdown.

Zwar gelang es mir, den Museumsdirektor einige Wochen später vor Ort zu interviewen, aber das Museum war geschlossen und gute Fotos gelangen mir beim raschen Durchgang durch die schlecht beleuchteten Räume auch nicht.

Der Verlag verschob den Erscheinungstermin des Artikels immer wieder, bis ich schliesslich Ende 2021, nach einer weiteren Verschiebung, mein Angebot zurückzog.

Viel Aufwand für nichts.

Das war der Moment, als ich beschloss, keine Reisejournalistin zu sein.

Meine Gründe:

  • Ideenfindung ist nicht meine Stärke. Ideen sind aber das Kapital von Reisejournalist*innen.
  • Reisejournalist*innen arbeiten viel und verdienen verhältnismässig wenig – und ich will ja vom Schreiben leben. Vielleicht kehre ich irgendwann zurück, wenn Geld für mich keine Rolle mehr spielt.

Tipp: Falls du gerne als Reisejournalistin arbeiten möchtest, empfehle ich dir, mit Museen zu beginnen.

Der perfekte Texter-Kunde

So oft im Leben bin ich von Glück gesegnet.

Im März 2020 – ich sass gerade im Lockdown in Sizilien fest – landete eine E-Mail in meinem Postfach. Beinahe hätte ich sie gelöscht, weil ich beim Überfliegen der Nachricht meinte, es wäre Spam. Dann erkannte ich, dass mich eine Schweizer Firma fragte, wie meine Bedingungen wären, um für sie zu texten.

Das war neu, dass ein Kunde auf mich zukam. Gefunden hatten sie mich über LinkedIn.

Ich war anfangs sehr skeptisch, dachte noch, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Warum sie ausgerechnet mich gewählt hatten in der ganzen Auswahl von hervorragenden Schweizer Texter*innen.

Im Gespräch mit der Marketing-Verantwortlichen stellte sich aber heraus, dass wir ähnliche Vorstellungen von guter Kommunikation, Qualität und Service hatten.

Ums kurz zu machen: diese Firma versorgte mich eineinhalb Jahre lang wertschätzend und unkompliziert mit Arbeit und stellte sich als absolute Traumkundin heraus. Mit genau solchen Firmen arbeite ich liebend gern zusammen.

Der Nachteil: Ich kümmerte mich nicht um weitere Kunden, weil ich mit meinen übrigen Tätigkeiten schon bestens ausgelastet war und finanziell gerade so durchkam, weil ich günstig in Italien lebte.

Shiny object: gerne mal was Neues

Ich liebe Abwechslung. Neues beginnen ist für mich grandios. Veränderungen sind mir meistens hoch willkommen.

Darum bin ich ziemlich anfällig auf das sogenannte „shiny object“-Syndrom. Das heisst: wenn etwas so nett glitzert und glänzt und Neues und Besseres verspricht, schaue ich gerne hin – und lasse mich zuweilen auch verführen.

Aus diesem Grund hatte ich Mühe, meinen Fokus auf meinem Texter-Business zu halten. Schliesslich war ich auch ausgebildete Life Coach, hatte seit 2015 meinen Fahrrad-Blog, wollte seit Jahren ein Buch schreiben, … und liess mich von all diesen Themen schnell einmal von meinem Kerngeschäft ablenken.

Vor allem dann, wenn es darum ging, neue Texter-Kunden zu suchen. Darin hatte ich nämlich wenig Erfahrung, fühlte mich unbehaglich dabei und schob es wacker immer wieder auf, sprich: tat es einfach nicht.

Um endlich Klarheit darüber zu bekommen, welches mein Kerngeschäft war, auf das ich mich zu 100% fokussieren wollte, buchte ich im Herbst 2020 ein Jahres-Mentoring-Programm.

Das Programm war grandios. Ich lernte eine Menge über Mindset und wie unser Unterbewusstsein unser Tun und Sein steuert. Ich war so begeistert von diesem Programm, dass ich es selber unterrichten wollte.

Richtungsänderung: Coach

Ja, ich wollte Coach sein, die dieses Wissen jenen vermittelt, die ebenfalls auf der Suche sind. Und vor allem jenen, die wie ich vor Jahren, in einem Job feststeckten, der ihnen jede Energie und Lebensfreude raubte.

So wurde ich zur Mentorin für Hamsterrad-Aussteigerinnen.

Ein volles Jahr lang arbeitete ich wie verrückt daran, dieses Coaching-Business aufzubauen. Endlich hatte ich gefunden, was ich tun wollte.

Und dann begann die Begeisterung nachzulassen…

Etwas fühlte sich fade an. Abgesehen davon, dass ich ziemlich erschöpft war, hatte ich mehr und mehr das Gefühl,

  • etwas zu kopieren, was nicht meins war
  • etwas zu jagen, das ich gar nicht haben wollte
  • jemand darzustellen, die ich gar nicht war

Die Richtung stimmte zwar.

Meine Mission ist es tatsächlich, Frauen zu helfen, sich aus einer freudlosen Job-Situation zu befreien. Das weiss ich schon lange, und daran hat sich auch nichts geändert.

… aber nicht auf diese Weise

Es dauerte lange, bis mir klar wurde, warum ich diesen Weg als Coach nicht in dieser Form weiterführen wollte. Dann begriff ich plötzlich:

  • Mein Wissen, das ich vermitteln wollte, war aufgesetzt. Einiges davon hatte ich nicht selber erfahren, und darum konnte ich es auch nicht überzeugend und mit gutem Gewissen weitergeben.
  • Mir fehlte der Kontakt zu meinen Interessentinnen, und darum wusste ich auch nicht wirklich, was sie brauchten. So schoss ich mit meinem Angebot ins Blaue hinaus und hatte entsprechend wenig Resonanz.
  • Die Art und Weise, wie ich zu Interessentinnen und neuen Kundinnen kommen sollte – wie „man“ Marketing „halt heute so macht“, passte so überhaupt nicht zu mir. Ich kam mir vor, als würde ich eine Show abziehen. Ein Clown, der sich selber nicht wieder erkennt.

Also besann ich mich wieder auf das, was ich wirklich wollte.

Ähm, was war das schon wieder, was ich wirklich wollte…?

Vom Schreiben leben, das wollte ich. Schon seit Kindertagen.

Aber es ist eben noch etwas komplizierter geworden:

3x 100%-Job. Was will ich wirklich?

Das ist meine grosse Frage.

  1. Ich bin leidenschaftliche Bloggerin, und meinen ersten Blog, Miss Move (Radreisen in Italien) liebe ich immer noch heiss. Im 2022 hat er sogar einen Preis gewonnen.
    –> Bloss ist Miss Move alleine schon ein 100%-Job, wenn ich ihn richtig gut machen will – und das will ich natürlich.
  2. Mit dem Texten für Kunden verdiene ich mein Geld, und seit ich mich aufs Bloggen für Kunden spezialisiert habe, macht mir das auch richtig Freude.
    –> Auch das ist ein 100%-Job
  3. Als Coach bin ich (wie beim Bloggen) so richtig in meinem Element. Und meine Mission, Menschen aus ihrer freudlosen Job-Situation zu helfen, lässt sich nicht einfach unter den Teppich kehren.
    –> Ebenfalls: 100%-Job

Bedeutet:

Ich bin zu mindestens 300% beschäftigt und habe noch ein richtig lebendiges Privatleben. Also ein Zeitproblem.

Allerdings bin ich auch nicht bereit, auf eine dieser 3 Bereiche zu verzichten. „Was ich wirklich will“ ist: alle 3 Jobs zusammen.

Ich werde einen Weg finden, meine 3 Jobs miteinander zu vereinbaren, damit ich mich allem entspannt und fokussiert widmen kann, was mir wichtig ist. Wie das gehen soll? Keine Ahnung. Aber die Lösung wird mich finden.

Meinen Weg zu „Vom Schreiben leben“ dokumentiere ich auf diesem Blog.

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